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„Frau Architekt“: Ausstellung ab 12. August im Haus der Architekten

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    Live dabei sein: Zur Ausstellungseröffnung "Frau Architekt" am 11. August gibt es eine Livestream-Aufzeichnung im Youtube-Kanal von "Baukultur NRW".

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    Das Porträt zeigt Iris Dullin-Grund - eine der einflussreichsten Architektinnen der DDR - Zeichnung: Lea Grundig, 1969. Privatbesitz

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    Elisabeth von Knobelsdorff, Hans Schmidt und Therese Mogger (v. l.) im Zeichensaal der TH in München, ca. 1907. Elisabeth von Knobelsdorff erwarb 1911 als erste Frau in Deutschland den Grad einer Diplom-Ingenieurin. Foto: Privatbesitz

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    Fußgängerbrücke im Mediapark in Köln, 1993/94. Verena Dietrich wagte als eine der ganz wenigen Frauen 1982 den Sprung in die Selbstständigkeit ohne Partner und ohne Auftrag. Foto: Harald Oppermann

Seit mehr als 100 Jahren sind Frauen im Architektenberuf tätig. Trotzdem sind Architektinnen nur selten wirklich sichtbar. Das möchte die Ausstellung „Frau Architekt“ ändern: Baukultur Nordrhein-Westfalen präsentiert sie ab 12. August 2020 in Düsseldorf.

Livestream-Aufzeichnung zur Ausstellungseröffnung vom 11. August 2020

„Es braucht immer noch sehr viel Selbstvertrauen, um seinen Weg als Frau in der Architektur zu machen“, sagt die bekannte englische Architektin Alison Brooks. „Wir wachsen mit Helden und Göttern auf, die allesamt männlich sind.“ Genau an diesem Punkt setzt das Museum der Baukultur mit der Ausstellung „Frau Architekt. Seit über 100 Jahren: Frauen im Architekturberuf“ an: Sie will berufliche Werdegänge und vorbildliche Bauten von Architektinnen präsentieren und damit Vorbilder zeigen, Identifikation ermöglichen und Mut machen, den Beruf zu ergreifen.

Die Ausstellung in Düsseldorf setzt sich aus zwei Teilen zusammen. Bereits 2017 konzipierte das Deutsche Architekturmuseum (DAM) in Frankfurt die Ausstellung „Frau Architekt. Seit mehr als 100 Jahren Frauen in der Architektur“. Aus dieser umfangreichen Ausstellung präsentiert das Museum der Baukultur neun historische Architektinnen, deren Werdegänge und Tätigkeitsfelder charakteristisch für die Zeit vom späten Kaiserreich bis in die 1960er und -70er Jahre sind. Die ausgewählten Porträts sollen stellvertretend stehen für typische Werdegänge: Autodidaktinnen, erste Erfahrungen in familiären Unternehmen, erste Hochschulabsolventinnen, im Schatten bedeutender Männer, Lebenswege von jüdischen Architektinnen im Dritten Reich, Berufsbilder in der BRD und der DDR. Unter den im DAM präsentierten Frauen gab es bereits sechs Architektinnen, die für NRW eine bedeutende Rolle gespielt haben: Therese Mogger, Lilly Reich, Vera Meyer-Waldeck, Merete Mattern und Verena Dietrich.

Therese Mogger (1875-1956) war nicht nur als Architektin tätig, sondern auch als Bauherrin, um ihr Können unter Beweis zu stellen. Trotz neuer Forschung steht Lilly Reich (1885-1947) immer noch im Schatten von Mies van der Rohe. Dabei schuf sie gelungene Markenauftritte für die Vereinigten Seidenwebereien in Krefeld, und ihre Möbelentwürfe sind heute Design-Klassiker. Merete Mattern (1941-2007) beteiligte sich 1966/ 1967 am internationalen städtebaulichen Wettbewerb für Ratingen-West. Ihren Beitrag feierte die Zeitschrift Bauwelt als den einzigen visionären Entwurf unter den 132 Einreichungen. Maria Schwarz (1921-2018) gilt bis heute vor allem als „Gralshüterin“ des Werkes ihres Mannes Rudolf Schwarz. Dabei führte sie das Büro ab 1961 als selbständige Architektin mit einer Vielzahl von eigenen Aufträgen. Ellen Birkelbach (1924-2011) unterhielt über 50 Jahre ein eigenes Büro für Innenarchitektur und schuf nicht nur ikonische Ausstattungen für das Café Heinemann sowie die Kundenhallen und Chefetagen der Deutschen Bank und Dresdner Bank auf der Königsallee in Düsseldorf. Sie prägte darüber hinaus eine ganze Generation von heute tätigen Innenarchitektinnen.

Ein zweiter vom Museum der Baukultur neu kuratierter und gestalteter Ausstellungsteil beschäftigt sich mit den aktuellen Arbeiten von Architektinnen aus NRW, also Frauen, die in einem in NRW beheimateten Büro oder an einer der NRW Hochschulen arbeiten. Diese stammen aus dem Hochbau, der Stadtplanung, der Landschafts- und Innenraumgestaltung sowie der Bauforschung und werden jeweils mit einem charakteristischen Werk vorgestellt. In diesem Ausstellungsteil sollen das vielfältige Bauen von Frauen in NRW sowie ihre individuelle architektonische Haltung im Fokus stehen. Mittlerweile sind Frauen in allen Bereichen und Typologien der Architektur tätig.

Bei all diesen Erfolgen und Maßstäbe setzenden Projekten ist es schwer verständlich, warum viele Architektinnen so unsichtbar bleiben. Heute erreichen mehr Architektinnen als früher leitende Positionen als Partnerinnen in Architekturbüros, als Baudezernentinnen und als Hochschullehrerinnen. An dem ungleichen Geschlechterverhältnis ändern solche Karrieren jedoch bislang noch wenig: Nur 31 Prozent des aktiven Berufsstandes sind zurzeit Frauen.

12. August bis 2. Oktober 2020, Haus der Architekten in Düsseldorf.

„Frau Architekt“ bildet den Rahmen für ein Begleitprogramm, dass die Stellung, die Sichtbarkeit sowie die Teilhabe von Frauen im Architekturberuf diskutiert:

Di., 15.9., 19 Uhr - Frauen im Architekturberuf: innovativ, mutig – und doch nicht sichtbar
Mit Robert Franken, Blogger und Feminist; Karin Hartmann, freie Journalistin;
Riklef Rambow, Psychologe und Hochschullehrer für Architekturvermittlung;
Claudia Roggenkämper, Architektin und Partnerin bei HPP Architekten

Mi., 23.9., 19 Uhr - Von der erfolgreichen Studentin zur unsichtbaren Architektin!
Ein offenes Gespräch über Realitäten und Vorstellungen in Ausbildung und Beruf – mit Student*innen und Dozent*innen, Architekt*innen, Stadtplaner*innen sowie interessierten Gästen.
Moderation: Peter Köddermann, Baukultur Nordrhein-Westfalen

Führungen: Di.,15.9., und Mi., 23.9., jeweils 17.30 Uhr

Hinweis: Aufgrund der Corona-Pandemie kann an den jeweiligen Veranstaltungen und Führungen
nur eine begrenzte Personenzahl teilnehmen. Verbindliche
Anmeldung mit Namen, Adresse und Telefonnummer unter: info@baukultur.nrw

Weitere Info

Autor: Dr. Ursula Kleefisch-Jobst